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Mut zum Mythos

Ein Mythos ist in seiner ursprünglichen Bedeutung eine Erzählung, mit der Menschen und Kulturen ihr Welt– und Selbstverständnis zum Ausdruck bringen.

Eine Vorstellung des Erstrebenswerten

Es geht hier nicht um etwas Absolutes oder einen Anspruch an die Menschen. Vielmehr schildert er eine ideale Vorstellung davon, wie sich Menschen angesichts des Zustandes der Welt, in der sie leben, verhalten und sich dabei gleichermaßen auf einen Weg der Selbstfindung begeben können.

Der Mythos des Samurai ist insofern schwierig, weil er in einer Zeit geboren wurde, die ganz anders war als unsere Zeit heute. Darum ist es auch schwer, ein passendes Bild zu finden, denn das ‚Schwert der Moderne’ ist ja allein unser Geist und die Thematik betrifft Menschen und nicht Männer oder Frauen.

Und ganz sicher ist es nicht so, dass jemand etwas Bestimmtes tun oder arbeiten muss, um diesen Mythos zu leben, ihn leben zu können.

Einstehen, wovon man überzeugt ist

Der Mythos der Samurai ist, genau wie ein Kloster auch, eine Folge seiner Zeit, eine Antwort auf das, was aktuell geschieht – und worum es Menschen geht, die wesentlich und wahrhaftig leben wollen. Menschen, die den Sinn und die Bedeutung des Lebens zu ergründen suchen und dem, was sie erkannt haben, ihr Leben zu weihen bereit sind, die bereit sind, sich etwas Größerem zu unterstellen, etwas, das über sie hinausweist.

Wir müssen uns einfach nur fragen, ob ein solcher Mythos noch eine Berechtigung hat. Wir dürfen nicht das Kriegerische in ihm sehen, sondern das, was durch ihn und mit ihm erreicht werden soll. Nicht anders verhält es sich mit den Regeln des Budo und der Kata, die ja unverzichtbarer Bestandteil des Mythos des Samurai (in) der Moderne sind.

Den Weg gehen – und nicht darüber reden

Beides, Mythos wie Budo, beschreiben den als ideal angesehenen, erstrebenswerten Zustand – und den Weg, auf dem dieser Zustand erreicht werden kann – mit und durch die Kata, der stetigen Übung.

Erfüllt man diesen Mythos mit Leben, dann hört man auf, sich hinter Worten oder Absichtserklärungen zu verstecken und tut, was getan werden muss. Man lässt sich ganz einfach von dem Größeren in die Pflicht nehmen, das uns gleichermaßen ausmacht wie es über uns hinausweist.